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Stadtteilbericht Obervieland der Freien Hansestadt Bremen (Stand 25.11.2010)

1. Kurzbeschreibung

Der Stadtteil Obervieland ist der östlichste der Bremer Stadtteile Links der Weser und liegt an der Grenze zu den Nachbargemeinden Stuhr und Weyhe. Er entstand als jüngster Stadtteil erst 1962 durch die Zusammenlegung der Ortsteile Habenhausen, Arsten, Kattenesch und Kattenturm. Obervieland stellt sich geschichtlich und sozial sehr heterogen dar. In den sogenannten „Ur-Zellen“ Obervielands - Arsten und Habenhausen – finden sich nach wie vor dörfliche Strukturen. Im Kontrast dazu steht insbesondere der Miet- und Geschosswohnungsbau in Kattenturm (Großwohnsiedlung und ein Schwerpunktgebiet des WIN-Programms). Daneben verfügt Obervieland über qualitativ hochwertige Naherholungsgebiete, ist über schnelle und direkte ÖPNV-Verbindungen an das Stadtzentrum angebunden und bietet herausragende Angebote in den Bereichen Soziales, Bildung, Freizeit und Sport.
Neben dem Klinikum Links der Weser als größtem Arbeitgeber haben sich verschiedene Gewerbe im Stadtteil angesiedelt.
Die Nähe zum Flughafen und der Autobahn stellt in Bezug auf den Umweltschutz hohe Anforderungen an den Stadtteil, an deren Bewältigung stetig und mit großen Anstrengungen gearbeitet wird.

1.1 Bevölkerung

Im Stadtteil Obervieland leben 35.512 Menschen (Stand 31.12.2013). Die Bevölkerung verteilt sich auf die Ortsteile Habenhausen (8.241), Arsten (9.244), Kattenturm (12.751) und Kattenesch (5.276). Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund ist im Stadtteil mit 30,88% (10.967 Personen) etwas höher als im stadtweiten Durchschnitt (29,59 %), wobei die Verhältnisse in den Ortsteilen stark variieren. Knapp die Hälfte der Menschen mit Migrationshintergrund leben im Ortsteil Kattenturm (5.798), etwa ein Viertel in Arsten (2.698). Das Durchschnittsalter bewegt sich mit 45,0 Jahren im Mittel der Gesamtstadt (43,9 Jahren).

1.2 Wirtschaft

Das Klinikum »Links der Weser« im Ortsteil Kattenturm ist der größte Arbeitgeber im Stadtteil. Das 1968 eröffnete und inzwischen mehrfach erweiterte Krankenhaus hat 1500 Beschäftigte und verfügt über rund 450 Betten. Das Herz-Labor des Krankenhauses verfügt über eine herausragende Leistungsfähigkeit und zählt zur Spitze Deutschlands.
Im Stadtteil ist eine hohe Einzelhandelsdichte zu verzeichnen. Auf insgesamt 81.000 m² Verkaufsfläche wird ein Umsatz von mehr als 300 Millionen Euro erwirtschaftet. Fast zwei Drittel der Verkaufsfläche (51.800 m²) entfallen auf den Einzelhandelsstandort Habenhausen. Insbesondere im Einkaufscenter Werder-Karree weist das Angebot deutliche Anteile an zentrenrelevanten Angeboten auf. Ein weiterer zentraler Angebotsbereich im Stadtteil ist das Zentrum Kattenturm mit seiner modernisierten Einkaufspassage und weiterem Einzelhandel im näheren Umfeld. Angesichts der Konkurrenz am Standort Habenhausen und dem weitreichenden Angebot in Brinkum-Nord beschränkt sich das Angebot jedoch fast ausschließlich auf den Grundbedarf.
Ein weiteres Gewerbegebiet ist der Standort Arsterdamm, der verkehrsgünstig am Auto-bahnzubringer Arsten und am Flughafen gelegen ist. Die Unternehmensstruktur ist insbesondere geprägt von KMUs (Handel, Montage, Dienstleistung) sowie einigen großflächigen (Einzel-)Händlern. Im Bereich des Gewerbegebietes „Arster Hemm“, nahe der BAB-Anschlussstelle Bremen-Arsten, dominiert die zur Disposition stehende Teppich-Kibek-Immobilie den Standort. Weitere Kfz-orientierte Unternehmen an diesem Standort komplettieren das Angebot.

1.3 Arbeit und Beschäftigung

Insgesamt wohnen im Stadtteil Obervieland 10.919 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (Stand: 30.06.2009). Damit entspricht ihr Anteil an der Bevölkerung mit 30,8 % etwa dem Durchschnitt der Stadt Bremen (30,5 %). Auch der Frauenanteil (46,6 %) entspricht etwa dem städtischen Durchschnitt (46,9 %). Demgegenüber liegt der Anteil der ausländischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit 7,4 % leicht unter dem städtischen Durchschnitt (8,6 %).
Die Arbeitslosenziffer ist mit 12,1 % in Obervieland unterdurchschnittlich (Stadt Bremen mit 14,8 %). Der Frauenanteil (47,9 %) und der Anteil ausländischer Personen (26,2 %) an den Arbeitslosen liegen über dem stadtbremischen Durchschnitt von 42,7 % bzw. 24,7 %.
Bei den deutschen erwerbsfähigen Hilfebedürftigen sind insbesondere junge Frauen unter 25 Jahren stark vertreten. Ihr Anteil beträgt in Obervieland 8,0 %, im stadtbremischen Gebiet sind es durchschnittlich nur 6,7 %. Der Anteil von Männer, die 25 Jahre und älter sind, ist mit 24,2 % hingegen unterdurchschnittlich (Stadt Bremen 29,9 %).
Signifikant ist der Anteil ausländischer männlicher Jugendlicher unter 25 Jahren und der Anteil an ausländischen Frauen, die 25 Jahre und älter sind an den ausländischen erwerbsfähigen Hilfebedürftigen, der mit 3,4% und 14,5% deutlich über dem Durchschnitt der Stadt Bremen liegt (2,5 % bzw. 11,9 %.

1.4 Bildung

Im Stadtteil Obervieland gibt es insgesamt acht Schulen vier Grundschulen, ein Förderzentrum für die Bereiche Lernen, Sprache und Verhalten, ein Gymnasium, eine Integrierte Stadtteilschule und eine Oberschule.

Die Abiturientenquote (siehe Anmerkung) im Stadtteil ist mit 37,3 Prozent deutlich höher als im Bremer Durchschnitt (30,4 Prozent). Der Anteil der Absolventen mit einem Abschluss unterhalb des Realschulabschlusses ist mit 26,3 Prozent etwas geringer als der Bremer Durchschnitt von 26,9Prozent, auch der Anteil der Abgänger ohne Hauptschulabschluss liegt mit 5,3 Prozent unter dem Bremer Durchschnitt von 5,9 Prozent.

[Anmerkung: Einbezogen werden die in Bremen wohnenden Absolventen der öffentlichen und privaten allgemeinbildenden Schulen ohne Erwachsenenschule und sogenannte Nicht-Schüler-Prüfungen (hier ist der Bezug zur altersgleichen Bevölkerung nicht mehr gegeben). Quoten sind entsprechend KMK-Ansatz in Bezug auf einen Durchschnittsjahrgang der altersgleichen Bevölkerung (15-unter 18 bzw. 18-unter 21 Jahren bei Abiturienten) berechnet. Die Summe der Einzelquoten über die verschiedenen Schulabschlüsse muss somit nicht 100% ergeben.

1.5 Sozialstruktur (Stand Mai 2010)

Dies ist ein stadtteilbezogener Ausschnitt aus dem Bremer Benachteiligungsindex 2009
Ortsteil Rang 2009 Index 2009 Rang 2007 Rang 2005
442 Gröpelingen 1 -146,0 1 2
217 Neuenland 6 -88,5 15 21
233 Kattenturm 7 -86,4 12 12
445 Oslebshausen 8 -80,5 19 18
523 Schönebeck 48 26,6 53 55
323 Arsten 49 29,2 56 63
331Gartenstadt Vahr 50 30,2 47 52
261 Seehausen 55 39,4
234 Kattenesch 56 39,5 63 64
371 Ellener Feld 57 41,9 54 58
535 Rekum 58 45,0 58 57
325 Radio Bremen 70 80,7 68 70
231 Habenhausen 71 86,1 76 78
322 Bürgerpark 78 111,4 73 75

Tabelle 1:Rangfolge benachteiliger Ortsteile Obervielands im Vergleich. Ein Vergleich zu den Sozialindikatoren der vorherigen Jahre ist aufgrund der Einführung eines neuen Bildungsindikators nur eingeschränkt möglich. (Quelle AFGJS, „Sozialindikatoren 2009“, Stand: Mai 2010).

Im Ranking der Stadtteile bezüglich ihrer Sozialstruktur schneiden die Ortsteile des Stadtteils Obervieland sehr unterschiedlich ab. Während der Ortsteil Kattenturm zu den 10 benachteiligsten Stadtteilen zählt, befinden sich die Ortsteile Arsten und Kattenesch im oberen Mittelfeld, Habenhausen zählt sogar zu den 10 am besten bewerteten Stadtteilen. Dieses Gefälle ist für die Ortspolitik eine große Herausforderung, die insbesondere für den Stadtteil Kattenturm mit dem WiN-Gebiet auch angenommen wird. Die im Schnitt hohe Einstufung der Ortsteile im Sozialindex macht sich auch bei bestimmten Gesundheitsdaten wie Säuglingssterblichkeit und Krebsraten bemerkbar. Hier liegt der Stadtteil Obervieland signifikant unter den Durchschnittswerten der Gesamtstadt (Säuglingssterblichkeit 1,8 je10.000 Geburten gegenüber 4,2 in der Gesamtstadt, die vorzeitige Sterblichkeit ist insbesondere bei Männern niedriger und auch die Inzidenzrate aller Krebserkrankungen liegt in Obervieland um 14% unter dem Bremer Durchschnitt.

1.6 Wohnen und Stadtentwicklung

Der Stadtteil Obervieland hat viele Facetten. Neben den unterschiedlichen Wohnquartieren und ruhigen Wohnlagen gibt es Gewerbegebiete in Habenhausen und Arsten sowie gute Naherholungsmöglichkeiten entlang des Werdersees. Parkanlagen wie die Wolfskuhle und Grün- und Kleingartenflächen am Krimpelsee ergänzen die freiräumlichen Qualitäten des Stadtteils. Ferner sind im Stadtteil diverse Bildungseinrichtungen (u. a. Grundschulen, Schulzentren) sowie Sportflächen und -angebote vorhanden. Insbesondere durch die Straßenbahnlinien 4 und 5 ist eine schnelle Verbindung von Arsten über Kattenturm in die Innenstadt (Domsheide) in 20 Minuten gegeben.
Die Wohnbauentwicklung in Arsten Südwest ist weit vorangeschritten. Dennoch gibt es im Eingangsbereich Grundstücke für Geschosswohnungsbau und flächensparenden Einfamilienhausbau (Reihenhäuser). Die Nachfrage nach Grundstücken für freistehende Einfamilienhäuser ist jedoch tendenziell weiter vorhanden. Inwieweit diese Wohnwünsche konzeptionell in das städtebauliche Konzept eingebunden werden können, ist zu prüfen.
Der Vorteil einer sehr guten verkehrlichen Anbindung des Stadtteils Obervieland ist allerdings auch verbunden mit der städtebaulichen Trennwirkung durch Hauptverkehrsstraßen. Eine verkehrliche Zäsur ist insbesondere durch den Autobahnzubringer Arsten zur BAB A1 gegeben. Ebenso stellen die Kattenturmer Heerstraße und Habenhauser Brückenstraße wichtige Hauptverkehrsachsen dar. Lärmimmissionen durch Straßenverkehre und den Fluglärm des westlich an den Stadtteil angrenzenden Airport Bremen sind im Stadtteil bekannte Belastungen. Durch die Fertigstellung der A 281 in Verbindung mit der geplanten neue Bundesstraße (B6n) Richtung Brinkum wird eine Entlastung der Kattenturmer Heerstraße erfolgen.

1.7 Inneres und Sport

Inneres

Das Polizeirevier Kattenturm gehört zur Polizeiinspektion Süd und befindet sich im Zentrum des Ortsteils. Für die polizeiliche Arbeit stehen neben dem Bürgerservice, Revierdienstbeamten und den Kontaktbereichsbeamten des Reviers der Jugendeinsatzdienst, der zivile Einsatzdienst und das Polizeikommissariat zur Verfügung. Neben den Streifenwagen des Einsatzdienstes in der Neustadt steht zu einsatzstarken Zeiten auch am Polizeirevier in Kattenturm ein Streifenwagen zur Verfügung. An revierspezifischen Brennpunkten als auch für allgemeine Schwerpunktmaßnahmen wird der Regionalzug Süd der Bereitschaftspolizei eingesetzt.
Kriminalität:
Insgesamt ergaben sich nur geringfügige Veränderungen, wobei die Gesamtzahl der bekannt gewordenen Straftaten sinkt. Bei Diebstahl aus Wohnungen, Betrug und Sachbeschädigung kam es zu Anstiegen der Fallzahlen. Bei anderen Diebstahlsdelikten (Diebstahl aus Kraftfahrzeugen, Fahrrad- und Ladendiebstahl) und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz verringerten sich die Fallzahlen.

Sport

Sportstätten bilden die materielle Basis für das lokale Sporttreiben. Die Freie Hansestadt Bremen weist daher spezielle Flächen für die Errichtung von Sportstätten aus und fördert zur Realisierung gesundheits-, sozial- und freizeitpolitischer Ziele sowohl kommunale als auch vereinseigene Sportstätten.
Der Stadtteil Obervieland verfügt über eine Vielzahl an Sportstätten, die im Folgenden dif-ferenziert nach Außensportanlagen und Sporthallen dargestellt sind.

städtisch vereinseigen Summe
Hallen 9 4 13
Dreifachhallen 2 1
Spielsporthallen/Zweifachhallen 1
Turnhallen 7
Tennishallen 2
Wassersportanlagen 2 2
Wassersportanlagen 2
Sportplätze 24 11 35
Großspielfeld Rasen 8
Großspielfeld Grand 2
Großspielfeld Kunstrasen 1
Kleinspielfeld/Freizeitspielfeld 13
Tennisplätze 11
Summe 33 17 50

Tabelle 2: Sportstätten in Obervieland

Insgesamt sind in Obervieland 9 Vereine beheimatet, die eine breite Palette an sportlichen Aktivitäten anbieten. In zahlreichen Sparten von Badminton über Fußball, Handball, Leichtathletik - um nur einige zu nennen - bis zum Wassersport können jung und alt aktiv Sport betreiben.

2. Stärken- und Schwächenanalyse

2.1. Stärken und Schwächen, Potenziale und Risiken

Stärken

  • Vielseitiger und vielschichtiger Stadtteil mit ebensolchen Qualitäten: Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Erholen, Bildungseinrichtungen, Krankenhaus
  • Verkehrsgünstige Lage an der BAB 1 (Osnabrück-Hamburg) und Verbindungen in das Niedersächsische Umland
  • Gewerbegebiete »im Grünen«
  • Wohnungsnahe Arbeitsplätze
  • Naherholungsgebiete am Werdersee und Stadtrandweg am Ochtumdeich
  • Klinikum Links der Weser als bedeutender Standortfaktor
  • Umfangreiches Einzelhandelsangebot mit Schwerpunkt im Einkaufspark Habenhausen
  • Vielfältige Sportangebote

Schwächen

  • Hohe Verkehrs- und Lärmbelastung z.B. durch die Straßenverkehre der Kattenturmer Heerstraße, der BAB 1 sowie durch den Bremer Flughafen
  • Trennwirkungen durch den Autobahnzubringer
  • Gefahr einer Häufung von Problemgruppen in Teilen des Stadtteils
  • Teilweise problematische wohnortnahe Grundversorgung in den Stadtteilrandlagen
  • Geringe verfügbare Gewerbeflächen vorhanden, auf denen Expansionsmöglichkeiten für im Stadtteil etablierte Unternehmen beziehungsweise für die Neuansiedlung von Gewerbebetrieben angeboten werden können

Chancen

  • Kulturelle und gesellschaftliche Angebote in den Themenfeldern Bildung, Soziales, Freizeit, Sport (Kulturhaus Katt, Bürgerhaus Gemeinschaftszentrum Obervieland, Quartier e.V, VHS)
  • Landschaftsschutzgebiete, Kleingärten, Parks
  • Sozialer Zusammenhalt im Stadtteil

Risiken

  • Anhaltende soziale Problematik in Kattenturm Mitte sowie Arsten-Nord
  • Ladenleerstand im Zentrum Kattenturm (Passage) aufgrund der Konkurrenz zum autokundenorientierten Einkaufspark Habenhausen sowie zum niedersächsischen Standort Brinkum-Nord

3. Handlungsfelder und Schlüsselprojekte

Ausgehend von den Stärken/Schwächen Obervielands ergeben sich für die Senatsres-sorts folgende Handlungsfelder, in denen eine besondere Aktivität erforderlich ist:

3.1. Handlungsfeld Wirtschaft, Stadtteilmarketing und Kultur

Aufgrund der überproportionalen Größe der Einkaufsstandorte Einkaufspark Habenhausen und Brinkum Nord ist die fußläufige Nahversorgung nicht überall im Stadtteil optimal. Hier müssen entsprechende kleinflächige, verträgliche Ansiedlungen im Bereich der Grundversorgung gezielt in die bisher unterversorgten Wohngebiete gelenkt werden.

Schwerpunktprojekte:
Verbesserung der Nahversorgung entsprechend des Kommunalen Zentren- und Nahversorgungskonzeptes

3.2. Handlungsfeld Arbeit und Beschäftigung

Im Stadtteil Obervieland finden sich die für die Stadttypischen Problemlagen am Arbeitsmarkt verbundenen sozialen Probleme. Dabei konzentrieren sich diese im Vergleich zu den anderen Ortsteilen Kattenesch, Arsten und Habenhausen vor allem im Ortsteil Kattenturm.
Die Förderansätze des Beschäftigungspolitischen Aktionsprogramms des Landes Bremen (BAP) sind überwiegend stadt- bzw. städteübergreifend als Landesförderansätze ausgerichtet. Gemäß der Programmatik des ESF-Programms des Landes Bremens, der Hauptfinanzierungsquelle des BAP, und der Koalitionsvereinbarung liegt ein besonderer Fokus auf städtischen Bereichen mit besonderen Problemlagen. In erster Linie sind für diesen regionalisierten Förderansatz das ESF-Programm „Lokales Kapital für soziale Zwecke“ (LOS) und das Programm „Bremen produktiv und integrativ“ (2008-2010) bzw. dessen Nachfolgeprogramm „Geförderte Beschäftigung und soziale Stadtentwicklung in Bremen und Bremerhaven“ (ab 2011) zu nennen.
Anknüpfend an verschiedene Förderinstrumente der BAgIS für den Ersatzarbeitsmarkt werden im Stadtteil in den Jahren 2008 bis 2010 drei Projekte der Beschäftigungsförderung mit fast 900.000 Euro aus dem BAP bezuschusst. Dadurch können in diesem Förderzeitraum zusätzlich etwa 180 hilfebedürftige erwerbsfähige Arbeitslose zeitlich befristet einer zusätzlichen und im öffentlichen Interesse liegenden Tätigkeit im Stadtteil nachgehen. Die Tätigkeiten sollen neben den individuellen Effekten für die Arbeitslosen möglichst positive Wirkung im Stadtteil entfalten. Der Anteil der BAP-geförderten Frauen an den geförderten Personen beträgt über 80 Prozent und der von Personen mit Migrationshin-tergrund liegt bei 40 Prozent.
Die Förderaktivitäten des BAP konzentrieren sich auf den Ortsteil Kattenturm.

Neben diesen Beschäftigungsförderansätzen werden verschiedene LOS-Kleinstprojekte im Ortsteil Kattenturm gefördert, die verschiedene regionale Aktivitäten von zumeist regionalen Akteur/-innen der Bereiche Jugend, Integration, Frauen und Familie fördern.

Schwerpunktprojekte in Kattenturm im Rahmen des Beschäftigungspolitischen Aktionsprogramms des Landes Bremen (BAP):

  • Bremen produktiv und integrativ (bis 2010) bzw. das Nachfolgeprogramm „Geförderte Beschäftigung und soziale Stadtentwicklung in Bremen und Bremerhaven“ (ab 2011) mit einem regionalen Förderschwerpunkt im Stadtteil
  • Lokales Kapital für soziale Zwecke (LOS)

3.3. Handlungsfeld Bildung

Drei Grundschulen des Stadtteils sind sogenannte verlässliche Grundschulen. Die Schule an der Stichnathstraße bietet einen Ganztagsbetrieb für die berufstätigen Eltern des Stadtteils an. Die Schule am Bunnsackerweg führt Kooperationsklassen in Zusammenarbeit mit der Schule Grolland, Förderzentrum für die Bereiche Wahrnehmung und Entwicklung.
Der Schulentwicklungsprozess führt in Obervieland in der Sekundarstufe I und II zu einer Reihe tiefgreifender Veränderungen in der Bildungslandschaft des Stadtteils. Das Schulzentrum Habenhausen befindet sich in einem Umwandlungsprozess zur Oberschule, eine gymnasiale Oberstufe als Dependance des Gymnasiums Obervieland ist im Aufbau. Die Oberschule führt Kooperationsklassen in Zusammenarbeit mit der Schule Grolland, För-derzentrum für die Bereiche Wahrnehmung und Entwicklung.
Am Standort Obervieland entwickeln mit Beginn des Schuljahres 2010/11 die Integrierte Stadtteilschule und das Gymnasium Obervieland das „neue“ Gymnasium Obervieland, das als einziges Bremer Gymnasium den 9-jährigen Bildungsgang anbietet bzw. anbieten wird. Als durchgängiges Gymnasium wird das Abitur nach dem 13. Jahrgang vergeben. Das Gründungsteam entwickelt für den Prozess ein Konzept, das den Aufbau von Jahrgangsteams, den Umgang mit heterogener Schülerschaft, sowie die Gestaltung und Organisation des Unterrichts festlegt. Die Integrierte Stadtteilschule und das Gymnasium werden im Sekundarbereich I als teilgebundene Ganztagsschule betrieben.
Im Stadtteil Obervieland wird am Standort Theodor-Billroth-Straße ein regionales Bera-tungs- und Unterstützungszentrum (ReBuZ) für den Bereich Bremen Süd gegründet. Das Förderzentrum Obervieland wird schrittweise in die Strukturen zur Unterstützung des Inklusionsprozesses in die allgemeinbildenden Schulen eingegliedert.
In dem Stadtteil Obervieland befinden sich aktuell keine Schulstandorte mit beruflichen- bzw. berufsvorbereitenden Bildungsgängen. Da das Angebot von beruflichen Bildungsgängen sich stadtweit erstreckt und in der Regel keinen direkten Wohnortbezug erfordert, ist eine Einrichtung von Bildungsgängen mit diesen Bildungsangeboten auch zukünftig nicht für Obervieland geplant. In dem direkt angrenzenden Stadtteil Neustadt wurde zum Schuljahr 2009/10 die Werkschule Neustadt im Rahmen des ESF-Projektes Entwicklung und Implementation eines Konzeptes zur Förderung lernbenachteiligter Jugendlicher durch praxisorientiertes Lernen (FöJu) im berufsbildenden Bereich des Schulzentrums Neustadt eingerichtet. Ab dem Schuljahr 2010/2011 wird die Werkschule Neustadt auf eine Zweizügigkeit erweitert. Dieser Bildungsgang kann wohnortnah von Schülerinnern und Schülern der Sek I Schulen (ab Klasse 9) auch aus Obervieland besucht werden. Die Werkschule ist konzeptionell auf Schülerinnen und Schüler ausgerichtet, die Schwierigkeiten und Benachteiligungen in ihrem bisherigen Bildungsweg erfahren haben. Die Werkschule bietet die Möglichkeit, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Erweiterte Berufsbil-dungsreife dort erlangen können. Hier kommt besonderes das projektorientierte Bildungsangebot mit dem Schwerpunkt der personenbezogenen Dienstleistungen zum tragen, das besonders auf benachteiligte Jugendliche ausgerichtet ist. Des Weiteren wird im Stadtteil Huchting, der sich ebenfalls in unmittelbarer Nachbarschaft zum Stadtteil Obervieland befindet, ein weiterer Werkschulstandort im berufsbildenden Bereich der Wilhelm-Wagenfeld-Schule eingerichtet. Hier wird es ab dem Schuljahr 2010/11 einen Angebotsschwerpunkt im Bereich Gestaltung geben.

Schwerpunktprojekte:

  • Umwandlung des Schulzentrums Habenhausen zur Oberschule
  • Regionales Bildungs- und Beratungszentrum (ReBuZ) am Standort Theodor-Billroth-Straße

3.4. Handlungsfeld Sozialer Zusammenhalt

Im Unterschied zur Situation in den Ortsteilen Habenhausen, Kattenesch und großer Teile Arstens leben in Kattenturm und Arsten-Nord überdurchschnittlich viele Menschen mit Migrationshintergrund, geringer Sprachkompetenz (bzw .Bildungsbeteiligung) und in Abhängigkeit von staatlichen Transferleistungen.
Die Häufung unterschiedlicher Problemlagen erschwert das Zusammenleben der Menschen und deren Teilnahme am öffentlichen Leben. Hier setzen Projekte der Förderprogramme „Wohnen in Nachbarschaften“ (WiN), „Soziale Stadt“ und „Landesprogramm für Soziale Zwecke“ (LOS) an, um einer weiteren Aufspaltung entgegen zu wirken und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern.
Mit dem Programm „Bremen produktiv und integrativ“ konnten zusätzliche Ressourcen für Kattenturm erschlossen werden, deren doppelte Wirkung - Arbeitsmöglichkeiten im und Angebote für das Quartier - mit dem neuen Programm „Geförderte Beschäftigung und soziale Stadtentwicklung“ noch weiter entwickelt werden soll. Darüber hinaus sind weitere gezielte Vorhaben in den Bereichen Bildung, Arbeit und Beschäftigung, sowie sozialer Infrastruktur erforderlich um das Gemeinwesen zu stabilisieren. Ganz konkret sind in der Planung Projekte zum Thema „Kleinderaustausch/Kammer und Ausweitung des Mittagstischs für Kinder. Diese sind im Rahmen der Programmförderung durch „geförderte Be-schäftigung“ und „Soziale Stadtentwicklung“ im Gespräch. Beide Projekte machen sich an dem sichtbar wahrnehmbaren Handlungsbedarf fest, indem einerseits ein einfaches warmes Essen evtl. in Kombination mit einem Ort zur Hausaufgabenbetreuung oder zum betreuten Spielen geboten werden soll. Anderseits soll bedürftigen Kindern eine der Witterung angemessen Kleidung ermöglicht werden. Anzustreben ist auch die Einrichtung einer „Bremer Tafel“ im Süden, sofern eine Finanzierung aufgebracht werden kann.

Schwerpunktprojekte:

  • Kleideraustausch / Kammer (sofern eine Finanzierung aufgebracht werden kann)
  • Die „Bremer Tafel“ in den Süden holen (sofern eine Finanzierung aufgebracht werden kann)
  • Ausweitung des Mittagstisches für Schulkinder (sofern eine Finanzierung aufgebracht werden kann)
  • Förderung von Sport, Bewegung und Kultur im Rahmen von WiN-Projekten
  • Kinder- und Jugendfarm / Stadtteilfarm
  • Soziale Stadt und LOS Projekte

3.5. Handlungsfeld Wohnen, Wohnumfeld, Verkehr

Direkt am Habenhauser Deich und am Schulzentrum Habenhausen entsteht zurzeit modernes Wohnquartier mit Reihenhäusern, Doppelhäusern und freistehenden Einfamilienhäusern. Es ist landschaftlich durch Grünflächen, die das Quartier gliedern, eingebunden.
Weitere einzelne Verdichtungsmöglichkeiten gibt es in den vorhandenen Wohngebieten. Die Nachfrage nach Wohnraumangeboten ist in Obervieland abhängig von der Lage, insgesamt ist sie allerdings im Vergleich zum Bremischen Durchschnitt eher als gering zu bewerten.
Die Versorgungsangebote im Stadtteil sind überwiegend gut verteilt. Versorgungsmagnet nicht nur für den Stadtteil Obervieland bildet besondere der Einzelhandelsstandort an der Habenhauser Brückenstraße mit guten Einkaufsmöglichkeiten. Hinsichtlich seines stadträumlichen und gestalterischen Auftritts gibt es hier Handlungsbedarf für eine Aufwertung.
Der Eingangsbereich zu Huckelriede im Bereich des südlichen Niedersachsendamms soll im Rahmen des Sanierungsgebietes Huckelriede/ Sielhof neu gestaltet und aufgewertet werden.

Schwerpunktprojekte:

  • Wohnen in Nachbarschaften „WiN“
  • Deichquartier Bunnsackerweg
  • Erschließung des Entwicklungsgebietes Arsten Süd-West (B-Plan 1995)
  • Umbau der Straße „Niedersachsendamm“ (Planfeststellung 2010, Baubeginn voraussichtlich Anfang 2012)

3.6. Handlungsfeld Inneres und Sport

Inneres

Ein klassischer Präventionsrat, der sich ausschließlich dem Thema Kriminalitätsvorbeugung widmet und damit zur Verbesserung des Gemeinwesens und des Zusammenlebens der Bürgerinnen und Bürger einen erheblichen Beitrag leisten könnte, existiert in Obervieland nicht. Ein Präventionsrat soll die Voraussetzung schaffen, dass sich jeder einbringen kann, um die Bedingungen vor Ort zu verändern. Allerdings wird die Vernetzung und Zu-sammenarbeit der Akteure vor Ort über andere Gremien gewährleistet. Beispielhaft können hier folgende Foren genannt werden: WIN-Stadtteilgruppe, Arbeitskreis Kinder- und Jugendfragen, Sozialer Arbeitskreis Obervieland und die Kooperationsrunde Jugend. Darüber hinaus gibt es den Koordinierungskreis Süd, wo unter der Federführung der Polizei-inspektion Süd auch die Leitung des Sozialzentrums Süd, das Landesinstitut für Schule und die Ortsamtsleiter zu gemeinsamen Strategiebesprechungen zusammenkommen.

Sport
Der Senator für Inneres und Sport errichtet zur Verbesserung der Sportinfrastruktur auf der Sportanlage Obervieland in den Jahren 2009/2010 eine Tribünenanlage sowie eine Laufbahnerweiterung um 2 Bahnen. Der demografische Wandel rückt in Zukunft verstärkt in den Focus bei der Entwicklung von Sportangeboten und der Ausgestaltung von Sportstätten.

Schwerpunktprojekte:

  • Neubau einer Tribünenanlage
  • Laufbahnerweiterung

Interaktive Karte

In der interaktiven Karte sind die textlichen Informationen des Stadtteilberichtes nochmals in visualisierter Form dargestellt worden.
Die interaktive Karte kann hier eingesehen werden.

Quellen

  • AFGJS (2010): Sozialindikatoren 2009: Volume 9, Aktualisierung der Sozialindikatoren, Stand: März 2010 und Mai 2010
  • Monitoring Soziale Stadt (2008): Abschlussbericht
  • Kommunales Zentren- und Nachversorgungskonzept für die Freie Hansestadt Bremen (2009): Endbericht
  • Leitbild Obervieland